Ich muss deinen Beruf nicht beherrschen. Aber ich muss verstehen, was ich fotografiere.

Erst beobachten. Dann fotografieren.

Wenn ich eine Arbeitswelt noch nicht kenne, schaue ich genauer hin.

Gerade bei Businessreportagen bedeutet das für mich, erst einmal zu beobachten. Was passiert hier eigentlich? Welche Abläufe gehören zur Arbeit? Wann kann ich nah ran – und wann würde ich einfach nur stören? Welche kleinen Handgriffe und Details sind so selbstverständlich, dass sie im Alltag kaum auffallen, aber auf Bildern viel über den Beruf erzählen?

Dabei lande ich manchmal in Arbeitswelten, mit denen ich vorher kaum Berührungspunkte hatte. Und natürlich bin ich dann auch neugierig. Ich schaue genauer hin, stelle Fragen und lerne während des Shootings selbst einiges dazu.
Für mich ist das kein Nachteil, sondern eher ein Teil der Aufgabe: Ich muss nicht schon vorher alles wissen. Aber ich muss aufmerksam genug sein, um zu verstehen, was vor meiner Kamera passiert.

Tätowierer bei der Arbeit in seinem Tattoo Studio – Businessfotografie von MALE PIXEL
Tätowierer bei der Arbeit in seinem Tattoo Studio – Businessfotografie von MALE PIXEL

Zu Gast bei FEON inc.

Mit Dominik Gerhardt zwischen Konzentration, Handwerk und laufender Kamera.

So war es auch bei meinem Shooting mit Dominik Gerhardt von FEON inc. Vom Tätowieren selbst hatte ich bis dahin ehrlich gesagt ziemlich wenig Ahnung. Dieses Mal war ich also nicht nur mit der Kamera dabei, sondern durfte nebenbei auch ein bisschen in seine Arbeitswelt eintauchen.

Ich habe Dominik während einer Tätowierung in seinem Studio begleitet. Vieles, was für ihn völlig selbstverständlich ist, war für mich neu: die Vorbereitung, die einzelnen Arbeitsschritte, der ständige Blick aufs Motiv und all die kleinen Handgriffe dazwischen. Und während ich versucht habe, diese Abläufe mit der Kamera einzufangen, konnte ich ziemlich gut beobachten, wie Dominik arbeitet: ruhig, zügig und hochkonzentriert. Im Umgang mit seinem Werkzeug war er so sicher und selbstverständlich, dass man auch ohne Ahnung vom Tätowieren schnell merkt: Der weiß ziemlich genau, was er da tut.

Für mich bedeutete das gleichzeitig: mithalten. Ich habe beobachtet, mich bewegt, meine Perspektiven gesucht und mich seinem Arbeitsrhythmus angepasst. Statt Abläufe für die Kamera zu unterbrechen, habe ich die Situationen genutzt, die sich während seiner Arbeit ergeben haben.

Denn am Ende soll sich nicht dein Arbeitsalltag nach meinen Bildern richten. Ich muss einen Weg finden, gute Bilder innerhalb deines Arbeitsalltags zu machen.